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Informationen für Sie auf 3.014 Seiten - neuster Beitrag: 13.11.2019
Neuster Beitrag: 13.11.2019 Impressum

Mehr Umsatz durch barrierefreien Internetshop

Diesen Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Trusted Shops.

80% aller behinderten Menschen in Deutschland nutzen das Internet. 50% von ihnen hindern komplizierte Texte, schlechte Kontraste oder Flashanimationen daran, es ohne Einschränkungen zu nutzen. Dabei versprechen barrierefreie Online-Shops Suchmaschinen-Optimierung und Kosteneinsparungen.

Was heißt barrierefreies Internet?

Eine Internetseite ist dann barrierefrei, wenn sie jeder uneingeschränkt lesen und bedienen kann – das heißt auch Senioren, Sehbehinderte und Blinde, Schwerhörige und Taube, Menschen mit Lese/Rechtschreibschwäche, Lernbehinderung und geistiger Behinderung.

Eine Internetseite sollte benutzerfreundlich und für jeden zugänglich und verständlich sein. Auch sollten die technischen Hürden vermieden werden, sodass eine Seite bei allen Browsern und Betriebssystemen funktioniert und von technischen Ein- und Ausgabegeräten, gelesen werden kann.

Eine genaue Definition ist im Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (§4 BGG) zu finden.

Auf welche Probleme stoßen behinderte Menschen?

Theoretisch gibt es zahlreiche technische Hilfen, sogenannte assistive Techniken, damit auch Anwender mit Handicaps sich problemlos im Internet zurecht finden. Großbildmonitore oder Lupen vergrößern die Inhalte für Sehbehinderte um ein Vielfaches. Braillezeilen und Screenreader ersetzen das Lesen und Schreiben für Blinde.

Lernbehinderte und Menschen mit geistiger Behinderung werden fast überall im Netz mit schwerverständlichen Texten konfrontiert. Daher ist es nicht überraschend, dass fast 70% von ihnen noch nie im Internet waren. Dies fand eine Umfrage im Rahmen der Aktion „Internet für alle” vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Jahr 2001 heraus.

Schwerhörige und taube Menschen schätzen vor allem Online-Videos, die in Gebärdensprache übersetzt werden.

Barrierefreiheit… generiert neue Absatzmärkte

8,1 Prozent aller Deutschen waren im Jahr 2001 Schwerbehindert, 38 Prozent waren im Alter von 50 bis 79, durch die demografische Entwicklung hierzulande ist die Tendenz steigend. Besonders Web-Shops, die Medikamente, Produkte aus dem Bereich der Krankenpflege, medizinische Geräte oder Behindertenbedarf vertreiben, verwehren ihrer größten Zielgruppe die Möglichkeit bei ihnen einzukaufen.

Aber ältere und behinderte Menschen wollen auch Bücher lesen, Musik hören oder Kleidung einkaufen. Vielen würde das Online-Shopping prinzipiell auch leichter fallen als das Einkaufen in der Innenstadt. Bequem von zu Hause bekämen sie alles mit nur wenigen Klicks und ohne fremde Hilfe.

Daher kann grundsätzlich jeder Online-Shop durch Barrierefreiheit seinen Absatzmarkt erweitern. Laut dem Online-Magazin Barrierekompass könnte bis zu 20% der Bevölkerung der Zugang zum Internet erleichtert oder überhaupt erst möglich gemacht werden.

Barrierefreiheit… verbessert die Platzierung bei Suchmaschinen

Dabei profitieren nicht nur Senioren und behinderte Menschen von barrierefreien Seiten. Suchmaschinen zum Beispiel lesen Webseiten ganz ähnlich wie ein „Screenreader”. Sie interessieren sich nicht primär für ein kreatives Layout, sondern wollen reine Informationen, die noch dazu gut strukturiert sind.

Daher ist es für einen Screenreader zum Beispiel wichtig, dass Überschriften auch als solche formatiert werden. Das Gerät würde sie sonst als normalen Text „vorlesen”. Einem Blinden und auch Google nimmt man dadurch die Orientierung auf der Website. Das ist ungefähr so als würde die Seite-1-Überschrift bei der Bildzeitung fehlen.

Mit Frames, Flashanimationen, Videos, Bildern und Grafiken verhält es sich ähnlich. Aus technischen Gründen kann ein Hilfsgerät sie nicht sehen. Auch Suchmaschinen sind blind dafür. Barrierekompass fasst kompakt zusammen:

    „Je weniger verschachtelt und komplex die Seite ist, desto einfacher gelangen nicht nur Menschen an die Informationen, sondern eben auch Suchmaschinen.”

Barrierefreiheit… ist gleich Usability

Barrierefreiheit und Usability können im Prinzip auch Synonym verwendet werden. Sie fordern schließlich das Gleiche, nämlich dass

    * Online-Shops und ihre Navigation übersichtlich aufgebaut sind,

    * Texte leicht verständlich und gut strukturiert sind,

    * die Shops über jeden Internetbrowser gleich gut funktionieren,

    * Ladezeiten minimal sind.

Daher gewinnt man durch Barrierefreiheit nicht nur behinderte Menschen und Senioren als potentielle Kunden hinzu. Jeder, der im Internet einkaufen möchte, will schnell die Seite, auf der er sich befindet, verstehen und sie problemlos bedienen können.

Barrierefreiheit… ist zukunftsweisend

Mobiles Online-Shopping via Handy ist der neue Zukunftstrend. Ein Online-Shop, der alternative Ein- und Ausgabegeräte akzeptiert, kann auch problemlos von Menschen ohne Behinderung über das Handy und PDA genutzt werden. Warum also nicht benachteiligten Menschen helfen und mit seinem Shop am Puls der Zeit sein?

Nicht zuletzt suggeriert ein barrierefreier Online-Shop soziales Engagement und fördert ein positives Image. Große Konzerne haben das Potential der Corporate Social Responsability längst erkannt. Mit der richtigen PR kann auch ein kleiner aber barrierefreier Online-Shop hier punkten.

14 Kriterien für Ihren barrierefreien Online-Shop

Mit einem barrierefreien Online-Auftritt können Sie Menschen mit Behinderung und Senioren den Zugang zu Ihrem Shop ermöglichen und gleichzeitig Umsatz, Platzierung bei Google, Image und Usability des Shops verbessern. Lesen Sie im zweiten Teil unserer Serie „barrierefreies Online-Shopping” wie Sie anhand von nur 14 Kriterien dies alles erreichen.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Das internationale Gremium W3C (World Wide Web Consortium) legte bereits im Jahr 1999 insgesamt 14 Kriterien fest, die für einen barrierefreien Webauftritt zu beachten sind. Darin enthalten sind Rahmenbedingungen für die Programmierung, die inhaltliche Struktur und das Layout. Sämtliche Internetseiten der Bundesländer sind bereits verpflichtet sich nach diesen Standards zu richten. Für kommerzielle Anbieter ist die Umsetzung bisher noch freiwillig. Sie wird jedoch ausdrücklich empfohlen und bringt den Anbietern auch zahlreiche wirtschaftliche Vorteile.

Checkliste für einen barrierefreien Online-Shop

Wir haben die 14 Kriterien der W3C, die derzeit nur in englischer Sprache bei der W3C erhältlich sind, für Sie zusammengefasst.

  1. Alternativtexte
    Für Videos, Bilder oder Audiobeiträge sollten stets aussagekräftige Alternativtexte zur Verfügung gestellt werden, damit sie auch von blinden oder tauben Menschen erfasst werden können.
  2. Kontraste
    Sorgen Sie für starke Kontraste zwischen Vorder- und Hintergrund. Schwache Kontraste können von sehbehinderten oder farbenblinden Menschen nur schwer oder gar nicht wahrgenommen werden.
  3. Stylesheets und Markups
    Benutzen Sie Stylesheets und Markups und tun Sie dies korrekt. Unübersichtliche Tabellen sollten vermieden werden. Man kann sie meist anschaulicher mit einer grafischen Darstellung mit Hilfe von CSS erstellen.
  4. Kennzeichnung der Sprache
    Verdeutlichen Sie in den Stylesheets und Markups in welcher Sprache (z.B. Deutsch oder Englisch) ein Text verfasst wird. Damit können Sprachänderungen auch von technischen Geräten wie Screenreadern erkannt werden.
  5. Tabellen
    Verwenden Sie Tabellen nur für Inhalte, die auch tabellarisch dargestellt werden sollen. Beschriften Sie den Kopf-, Körper- und Fußbereich der Tabelle. Nichttabellarische Inhalte sollten in Textform oder mit Hilfe von Bulletins eine sinnvolle inhaltliche Reihenfolge ergeben.
  6. Flash, Javascript und Co.
    Verwenden Sie auf Ihren Seiten neue Techniken wie Flash oder Javascript, müssen diese auch dann gut lesbar sein, wenn Ihr Stylesheet nicht angezeigt werden kann oder wenn Javascript deaktiviert ist.
  7. Der Besucher hat die Kontrolle
    Versehen Sie Video- oder Audiobeiträge mit Pause- und Stopp-Funktionen. Damit geben Sie Ihrem Besucher die Kontrolle über die Inhalte, die er sich anschauen möchte.
  8. Uneingeschränkte Erreichbarkeit
    Ihr Shop sollte über jedes Gerät, also über den PC aber auch das Handy oder den Screenreader aufrufbar sein. Er sollte benutzerfreundlich und selbsterklärend aufgebaut sein. Bauen Sie Multimedia-Objekte, aus anderen Websites in Ihren Shop ein, achten Sie darauf, dass diese auch ohne zusätzliche Software problemlos abspielbar sind oder bieten Sie eine zweite alternative Abspielmöglichkeit an.
  9. Freiwählbare Eingabegeräte
    Wählen Sie ein geräteunabhängiges Design. Die Website sollte sowohl über die Tastatur als auch per Maus oder über andere Eingabeformen wie Sprache oder spezielle Zeigegeräte bedienbar sein.
  10. Übergangslösungen für alte Browser
    Bieten Sie bei Texten, die in mehreren Spalten geschrieben sind, eine Möglichkeit an, diese auch als lineare Texte anzuzeigen. Vermeiden Sie das Erscheinen von Pop-ups und informieren Sie den User immer, wenn sich ein neues Fenster öffnet. Ältere Browser oder assistive Techniken machen dies noch nicht selbstständig.
  11. W3C-Techniken
    Verwenden Sie W3C-Techniken und Richtlinien, wie zum Beispiel den Verzicht auf reine Flash-Lösungen. Eine ausführliche Liste der W3C-Techniken finden Sie hier.
  12. Orientierung bei komplexen Inhalten
    Bieten Sie bei komplexen Inhalten zusätzliche Informationen an, damit Ihre Besucher die Orientierung nicht verlieren und Zusammenhänge besser verstehen. Versehen Sie alles mit Überschriften. Geben Sie langen Texten Zwischenüberschriften und teilen Sie komplexe Formulare in Fieldsets.
  13. Klare Navigation
    Die Navigation sollte eine klare und einfache Struktur aufweisen, die sich durch die gesamte Seite zieht. Bieten Sie dazu eine Sitemap an. Bieten Sie eine Suchfunktion mit verschiedenen Möglichkeiten, diese zu nutzen, an. Gruppieren Sie zusammenhängende Links und beschriften Sie diese exakt.
  14. Einfache Sprache
    Formulieren Sie Dokumente und Texte klar und einfach. Vermeiden Sie zu lange, verschachtelte Texte und zu viele Fremdwörter. Auch Menschen mit Leseschwierigkeiten könnten Ihre Seite aufrufen.

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