What you see is what you get: Auf Produktbildern bei Amazon darf nur das angezeigt werden, was tatsächlich geliefert wird (LG Arnsberg und OLG Hamm)

Für die Eigenschaft eines Produktes, welches im Internet angeboten wird, sind mehrere Faktoren entscheidend: Nämlich zum einen das Produktbild oder die Produktbilder sowie natürlich die Artikelbeschreibung.Mit dieser Frage hatte sich in der Vergangenheit bereits der Bundesgerichtshof befasst.

Nach einer Entscheidung des Landgerichtes Arnsberg (LG Arnsberg, Urteil vom 05.03.2015, Az.: I – 8 O 10/15) muss bei Angeboten bei Amazon exakt das geliefert werden, was auf dem Produktbild zu sehen ist. Eine spätere Klarstellung in der Artikelbeschreibung reicht nach Ansicht der Richter nicht aus.

Wenig nachvollziehbarer Fall

Der vom Landgericht Arnsberg entschiedene Fall hat so seine Besonderheiten und überzeugt nicht:

Angeboten wurde ein Sonnenschirm mit Schirmständer. Auf dem Produktbild waren offensichtlich zur Beschwerung des Schirmständers Betonplatten zu sehen. In der Artikelbeschreibung wurde darauf hingewiesen, dass die Betonplatten nicht zum Lieferumfang gehören.

Dies reichte jedoch nach Ansicht der Arnsberger Richter nicht aus mit der Folge, dass das Angebot irreführend gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 UWG war. Das Angebot täuschte über die wesentlichen Merkmale der Ware.

Hierbei hat das Landgericht durchaus erkannt, dass bei einem Sonnenschirm mit Ständer, der über das Internet bestellt wird, es wohl höchst unwahrscheinlich ist, dass Betonplatten zu einem Gesamtpreis von 134,00 Euro versandt werden:

„Zwar ist der Beklagten zuzugeben, dass der reflektierende Verbraucher erkennen wird, dass die auf dem Bild in der beanstandeten Werbung zu sehenden Betonplatten nicht vom Kaufpreis der hier mit 134,07 Euro angegeben ist, umfasst sein werden. Letztlich legt es die Gesetzesfassung nah, dass aber nicht auf den reflektierenden Verbraucher abzustellen ist; denn der Wortlaut geht dahin, dass eine geschäftliche Handlung dann irreführend ist, wenn sie zur Täuschung geeigneter Angaben enthält.

Bei vielen, eher flüchtig vorgehenden Verbrauchern ist das Bild aber geeignet, Vorstellungen hervorzurufen, auch Betonplatten würden mit geliefert; dann ist es aber auch zur Täuschung geeignet im Sinne der vorstehend genannten Regelung.“

So richtig überzeugen vermag die Entscheidung nicht.

Praxistipp

Amazon-Händler sollten somit darauf achten, dass auf dem Produktbild, insbesondere auf dem ersten Produktbild, welches in der Artikelübersicht angezeigt wird, nur solche Gegenstände enthalten sind, die später auch ausgeliefert werden. Eine andere Regelung gibt es leider nicht. Theoretisch bestände die Möglichkeit, im Produktbild mit einem Text, bspw. mit dem Inhalt „ohne Deko“ oder im vorliegenden Fall „ohne Betonplatten“ darauf hinzuweisen, was nicht im Lieferumfang enthalten ist, jedoch auf dem Bild dargestellt wird. Eine derartige Darstellung ist jedoch nach den Bildvorgaben von Amazon nicht erlaubt.

Der Händler haftet übrigens ohne Wenn und Aber für die Artikelbeschreibung bei Amazon, unabhängig davon, ob er das Produktbild selbst eingestellt hat oder nur eine bereits vorhandene ASIN nutzt.

Achten Sie somit genau darauf, wenn Sie bei Amazon verkaufen, was auf den Produktbildern zu sehen ist und ob Sie dies auch konkret ausliefern.

Stand: 20.03.2015

Ihre Ansprechpartner: Rechtsanwalt Johannes Richard, Rechtsanwalt Andreas Kempcke und Rechtsanwältin Elisabeth Vogt, Rostock

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