Fremde Bilder bearbeiten: Dein Bild – Mein Bild – Unser Bild

Das ist doch MEIN Foto! Genau das stellen immer mehr Fotografen beim zufälligen Surfen im Internet oder auch beim Durchblättern von Zeitschriften fest.

Dass die vermeintlich schnelle Lösung, nämlich ein Bild eines anderen Anbieters oder des Herstellers mittels copy & paste „anzufertigen“, zu einem kostspieligen Bumerang in Form einer Abmahnung mit Anwaltsrechnung werden kann, haben wir bereit in unserem Beitrag zum Fotoklau erläutert. Denn das Urheberrecht schützt den Fotografen davor, dass sein Bildmaterial ohne seine vorherige Zustimmung verwendet wird, §§ 15 ff. Urheberrechtsgesetz (UrhG). Er kann dann sich dagegen wehren: zunächst mit einer außergerichtlichen Abmahnung - deren Kosten der Rechtsverletzer trägt! - und sofern das keine Abhilfe schafft, mit Hilfe des Gerichts.

 

Was, wenn das Foto bearbeitet wird?

Diesem Risiko versuchen einige dadurch zu entgehen, indem sie das fremde Bildmaterial verändern. Mit den gängigen Bildbearbeitungsprogrammen ist dies mittlerweile ein Kinderspiel. Damit wird dann der Bildausschnitt reduziert, der Hintergrund oder die Farbgebung verändert, der Schatten des abgebildeten Produkts entfernt oder schlicht der eigene Copyright-Vermerk auf das fremde Bild gepappt. Rein rechtlich aber, ist diese Strategie wenig erfolgreich.

 

Indem man den eigenen Namen auf ein fremdes Fahrrad schreibt, dieses neue lackiert und einen neuen Sattel anbaut, bleibt es noch immer ein fremdes Rad, welches ich ohne Zustimmung des Eigentümers nicht benutzen darf. Gleiches gilt für geistiges Eigentum, also u.a. Lichtbildern: so lassen sich keine Rechte an einem Foto erlangen, bei dem man lediglich die Farbe des Hintergrundes, des Objektes geändert oder den Namen des Unternehmens oder der eigenen URL drauf anbringt. Bei einer derart geringen Veränderung das Recht des Originals noch so stark, dass es auch über das Schicksal des veränderten Bildes mitbestimmt.

 

Bearbeitung versus freie Benutzung

Beim Oberbegriff „Bearbeitung“ eines Bildes ist juristisch zu differenzieren und zwar zwischen der einfachen „Bearbeitung“ und der „freien Benutzung“. Der Unterschied besteht darin, wie weit sich das neue, bearbeitete Foto vom Original entfernt hat: Ist das Original noch deutlich erkennbar, liegt „nur“ eine Bearbeitung vor, § 23 UrhG. Das ist der Fall, wenn bspw. das abgebildete Objekt nur aus seinem ursprünglichen Hintergrund genommen wurde, ein andersfarbiger Hintergrund, Schatten hinzugefügt bzw. entfernt oder ein sogenanntes Softrandering vorgenommen wurde. Aufgrund des geringen Abstandes zum Original, muss bevor (!!) das veränderte Bild veröffentlicht oder ins Internet eingestellt wird, die Zustimmung des Urhebers bzw. Rechteinhabers am Original eingeholt werden. Das Gesetz ist ist diesbezüglich eindeutig:

§ 23 UrhG: „Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes dürfen nur mit Einwilligung des Urhebers des bearbeiteten oder umgestalteten Werkes veröffentlicht oder verwertet werden.“

Hingegen liegt eine freie Benutzung gemäß § 24 UrhG dann vor, wenn das fremde Werk nur als Anregung für das Schaffen des neuen Werkes benutzt wurde. Beide Werke haben einen deutlichen gestalterischen Abstand voneinander. Ob das der Fall ist, wird im Wege der Gesamtbetrachtung aller wesentlichen, prägenden Merkmale des Erstwerkes mit dem Zweitwerk für jeden Einzelfall ermittelt werden. Als Richtlinie gilt: das fremde Bild darf bei einer freien Benutzung lediglich als Anregung dienen. Ist ein solcher ausreichender Abstand gegeben und stellt das neue Werk eine persönliche geistige Schöpfung dar, die über das allgemein Übliche hinausgeht, dann ist das neue Werk mit einem eigenen Urheberrecht geschützt. Es steht damit rechtlich selbständig neben dem Original. Derjenige, der ein das neue Foto, Logo oder sonstiges Werk geschaffen hat, erwirbt ein eigenes, umfassendes Urheberrecht gemäß § 24 UrhG:

 „ Ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden.“

Unwissenheit schützt vor Schadensersatz nicht

Die Voraussetzungen einer freien Benutzung gemäß § 24 UrhG liegen in den ganz überwiegenden Fällen, die bei eBay oder Internetshops zu finden sind, nicht vor. Leichte Veränderung eines Produktbildes des Konkurrenten oder des Herstellers lassen deren Rechte am Bildmaterial also keinesfalls erlöschen. Die Veränderung und anschließende Vervielfältigung und/ oder Nutzung im Internet können die Inhaber der Nutzungsrechte ebenfalls untersagen lassen. Und an die Prüfungs- und Erkundigungspflicht, bei der Verwendung von fremdem Bildmaterial, stellt die Rechtssprechung hohe Anforderungen. Auf ein richterliches Pardon braucht ein Gewerbetreibender auch mit einer Entschuldigung wie „Wir wussten nicht, dass die 13 Bilder, die wir in unserem Online-Shop eingestellt haben, von ihnen sind. Eine Rechtsverletzung haben wir nicht beabsichtigt.“ Nicht zu rechnen.

 

Zwar kann nach § 3 UrhG auch eine bloße Bearbeitung eines Fotos urheberrechtlich geschützt sein, wenn sie hinreichend originell ist. Dabei bezieht sich das Schutzrecht allein auf die Veränderungen, nicht aber auf das Gesamtbild. Denn abgesehen von der bspw. geänderten Farbgebung oder Lichtreflexen stammt die gestalterische Grundlage des abgeänderten Fotos ja vom Fotografen des Originals. Unabhängig von diesem Urheberrecht auf die Veränderungen bestimmt § 23 UrhG aber, dass das neue Werk nur unter Zustimmung des Schöpfers des Erstwerkes veröffentlicht oder verwendet werden darf.

 

Ihre Ansprechpartner: Rechtsanwälte Johannes Richard, Andreas Kempcke und Elisabeth Vogt

 

 

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